Der Vortrag nimmt den Uterus als Denkfigur in den Blick und fragt, wie mittelalterliche jüdische Texte ihn zwischen Schutzraum und Ort der Einhegung und Einengung entwerfen. Anhand rabbinischer, medizinischer und mystischer Quellen untersucht er Bilder dieses besonderen Organs als Haus, Behälter oder Kammer, verfolgt aber auch damit verbundene Vorstellungen von Einschluss, Kontrolle und Bedrohung. Der Vortrag lädt dazu ein, über Körper, Raum und Geschlecht im mittelalterlichen Judentum gemeinsam nachzudenken. Im Zentrum steht dabei weniger eine fertige Antwort als die Frage, was diese Metaphorik über Vorstellungen von Weiblichkeit, Körperordnung, Fortpflanzung und religiös-kultureller Zugehörigkeit verrät, die bis in die Gegenwart nachwirken.
Kerstin Mayerhofer promovierte im Fach Judaistik an der Universität Wien mit einer Dissertation zum Motiv der jüdischen männlichen Menstruation im mittelalterlichen christlichen Antisemitismus. Eine auf der Dissertation basierende Monographie mit dem Titel Queer Blood ist bei ARC Humanities Press unter Vertrag. Wissenschaftliche Stationen führten über die Universität Wien und das Internationale Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK) in Wien, an die Universität von St Andrews sowie an die Hebräische Universität Jerusalem. Derzeit ist Kerstin Mayerhofer als Postdoc-Assistent:in am Institut für Judaistik der Universität Wien tätig. Kerstins Forschungsschwerpunkte umfassen die Kulturgeschichte der Menstruation in der jüdisch-christlichen Welt sowie die Geschichte von Geschlecht, Queerness und race, mit einem besonderen Fokus auf das Mittelalter.
