Dietlind Hüchtker und Claudia Kraft (Hg.): Ukraïne (= L'Homme. Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft, 35, 2024, 1.

 

Diese L’Homme-Ausgabe widmet sich der Frauen- und Geschlechtergeschichte in der Ukraine von der Frühen Neuzeit bis in die jüngste Gegenwart und möchte dazu beitragen, dass die innovativen Forschungen ukrainischer Kolleg*innen als integraler Bestandteil der europäischen Historiografie wahrgenommen werden. Dies erscheint in Zeiten des Krieges nicht nur wissenschaftlich, sondern auch geschichtspolitisch wichtiger denn je. Die Ukraine ist das flächenmäßig größte Land Europas, sie ist Teil einer europäischen Verflechtungs- und Transfergeschichte und doch noch immer ein weißer Fleck auf der historiografischen Landkarte westlicher Öffentlichkeiten. Dies gilt auch für die rege feministische Geschichtswissenschaft, die zu wenig oder nur mit großer Verzögerung rezipiert wird.

 

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Dietlind Hüchtker, Claudia Kraft und Katrin Steffen: Begehren macht Akteur*innen. Praktiken der Subjektivierung im 20. Jahrhundert / Desire Creates Involvment. Practices of Subjectification during the 20th Century (= Special Issue: Nordost-Archiv, XXIX, 2020 [2023]).

 

Die Forschung zum 20. Jahrhundert richtet ihren Fokus zunehmend auf eine Geschichte des Selbst und rückt dabei Prozesse der Therapeutisierung, Emotionalisierung und Politisierung in den Blick. Die Geschichte der Sexualität steht hingegen quer zu diesen überformenden Prozessbegriffen, wird sie doch sowohl als Geschichte von Befreiung und Selbstermächtigung als auch von Normierung und Disziplinierung erzählt. Das Heft diskutiert Praktiken der Subjektivierung für eine Region, die im 20. Jahrhundert durch tiefgreifende systemische und oft gewalthafte Transformationsprozesse geprägt wurde. Mit einer Historisierung des sexuellen Begehrens will es zu einem differenzierten Verständnis sozialer Beziehungen, individueller Erfahrungen und gesellschaftlicher Ordnungen beitragen. Die Texte fokussieren die Perspektiven der Akteur*innen und liefern damit einen innovativen Zugang zur jüngeren Geschichte des östlichen Europas.

 

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Christoph Augustynowicz, Dietlind Hüchtker und Börries Kuzmany (Hg.): Perlen geschichtswissenschaftlicher Reflexion. Östliches Europa, sozialgeschichtliche Interventionen, imperiale Vergleiche, Göttingen: V&R unipress, 2022.

In historischen, anthropologischen, literatur- und kulturwissenschaftlichen Essays nähern sich 39 Autorinnen und Autoren dem östlichen Europa an. Besondere Aufmerksamkeit erhalten dabei die historischen Räume Galizien und die Schwarzmeerregion, mehrere Beiträge überschreiten jedoch räumliche Zuordnungen. Sie betonen die translokale Perspektive oder betrachten Kolonialismus und Imperialismus beziehungsweise den orientalisierenden Blick auf diese Prozesse. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Essays zu sozialen, nationalen und religiösen Fragen in diesem an Identitäten und Alteritäten so reichen Mittel- und Osteuropa. Einige Aufsätze schließlich untersuchen, wie historische Vorgänge erinnert oder literarisch verarbeitet wurden.

Der Essayband ist aus Anlass des 10-Jahres-Jubiläums von Kerstin S. Jobst an der Universität Wien erschienen und reflektiert ihre geschichtswissenschaftlichen Interventionen. Herausgegeben worden ist der Band von Christoph Augustynowicz, Dietlind Hüchtker und Börries Kuzmany (alle an der Universität Wien).

 

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Jan Surman, Friedrich Cain e.a. (Hg.): Science Interconnected. German-Polish Scholarly Entanglements in Modern History, Marburg: Verlag Herder-Institut, 2022. ed. by Jan Surman in cooperation with Friedrich Cain, Marcin Dołecki, Maciej Górny, Peter Haslinger, Adam Kożuchowski, Katharina Kreuder-Sonnen, Ewa Manikowska and Thomas Strobel, Marburg: Verlag Herder-Institut 2022.

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Friedrich Cain, Dietlind Hüchtker, Bernhard Kleeberg, Karin Reichenbach und Jan Surman: Scientific Authority and the Politics of Science and History in Central, Eastern and Southeastern Europe (= Special Issue: Berichte zur Wissenschaftsgeschichte / History of Science and Humanities, 44/4, 2021).

Das Heft versammelt Texte von Friedrich Cain (Wien), Anne Kluger (Leipzig), Miglena Nikolchina (Sofia), Michał Pawleta (Posen), Andrea Pető (Wien) und Ella Rossman (London).

Die Beiträge entstanden im Rahmen einer Reihe von Online-Workshops der Forschungsinitiative (East) European Epistemologies, die einen Workshop ersetzten, der aufgrund der Corona-Pandemie im März 2020 nicht mehr vor Ort abgehalten werden konnte. 

Wie aktuell die im Heft verhandelten Fragen sind, zeigt sich am Beitrag Andrea Petős, Professorin am Department of Gender Studies an der Central European University. Noch vor Erscheinen ihres Artikels, der sich unter anderem mit der Aushebelung wissenschaftlicher Qualitätsprüfung im heutigen Ungarn befasst, wurde sie aus dem Hungarian Accreditation Committee, einem Mitglied der European Association for Quality Assurance in Higher Education (ENQA) aufgefordert, den Text zurückzuziehen, wodurch sich die These des Textes in denkwürdiger Weise bestätigt. Die Freiheit akademischer Forschung und Lehre ist ein hohes Gut, das es aufmerksam und gegebenenfalls laut zu schützen gilt.

Für detaillierte Schilderungen verweisen wir auf den Guardian sowie einen Essay von Jeffrey C. Isaac auf der Website des Democracy Seminar an der New School of Social Research.

Friedrich Cain, Wissen im Untergrund. Praxis und Politik klandestiner Forschung im besetzten Polen (1939-1945), Tübingen: Mohr Siebeck 2021.

Für weitere Informationen und eine Leseprobe sei auf die Verlagshomepage verwiesen.

Dietlind Hüchtker: History as Performance. Political Movements in Galicia Around 1900, translated by Chris Abbey (= Routledge Studies in Cultural History), New York London: Routledge, 2021.

 

Für weitere Informationen und eine Leseprobe sei auf die Verlagshomepage verwiesen.

 

Friedrich Cain, Dietlind Hüchtker, Bernhard Kleeberg und Jan Surman (Hg.): A New Culture of Truth? On the Transformation of Political Epistemologies since the 1960s in Central and Eastern Europe (= Special Issue: Stan Rzeczy / State of Affairs 17, 2019 [2020]).

Full text (English)

This issue of Stan Rzeczy / State of Affairs examines the changes that have occurred in the epistemic landscapes of Central and Eastern Europe over the past decades. It considers the history of contemporary conflicts in which truth is contested, for example, discussions of “fake news” or “alternative facts”. The contributions address the practical contexts and the embedding of truth claims, while identifying truth figures and truth scenes that could help to understand truth as an operational and functional category.

In his initial essay, Bernhard Kleeberg lays out a praxeological approach to the analysis of truth cultures. Anna Shor-Chudnovskaya and Andreas Langenohl analyse the appropriation (or rejection) of legal and voting practices during the Soviet era, while Thari Jungen examines the global mal-connections of truth, elections, and economic interest on social media in her story of Alt-Right aesthetics. Finally, Anna Grutza and Paweł Bagiński take a look at medial practices and their paramount importance for making truth claims in the context of Radio Free Europe as well as the Polish #metoo (#jateż) action in October 2017.