Public History

Public History ist zum einen eine Subdisziplin der Geschichtswissenschaft, sowohl grundlagen- als auch anwendungswissenschaftlich orientiert, die sich theoretisch, empirisch und pragmatisch vergangenen und gegenwärtigen gesellschaftlichen Verwendungszusammenhängen von Vergangenheitsbezügen widmet. Zugleich bezeichnet Public History zum anderen den Gegenstand dieser historischen Subdisziplin: vergangenheitsbezogene Identitätsdiskurse aller Art von Materialität, Medialität und Funktionalität.  

Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkt: Eine digital reflektierte Kulturanthropologie österreichischer Erinnerungsorte von nationaler Bedeutung

 

Einigermassen wissen wir Bescheid darüber, wie Österreichs Denkmäler und Gedenkstätten, die das nationale Bewusstsein der Österreicherinnen und Österreicher gemäss Zwecksetzung prägen sollen, äusserlich aussehen und wo sie sind, allerdings gibt es schon darüber keine Einigkeit, welches Objekt den Status "national" überhaupt in Anspruch nehmen darf und warum und seit wann. Nicht in jedem Fall ist der Komplex der Stiftungs-, Bau- und Nutzungsgeschichten dieser Objekte geschichtswissenschaftlich hinreichend erforscht und dokumentiert. Aus diesen verflochtenen Geschichten liessen sich allerdings Begründungen für die Dynamik aktueller nationaler Bedeutungszuschreibungen ermitteln.

Im Grunde genommen wissen wir aber – empirisch gesichert – nur sehr wenig darüber, was an diesen Stätten heutzutage tatsächlich passiert, wie sie von wem und wofür genutzt werden, wie man über sie denkt, ob man an ihnen etwas seinem Geschichtsbild hinzufügt. Sind sie nur willkommene, aber beliebig austauschbare Ausflugsziele, die keine kognitiven und emotionalen Spuren hinterlassen?

Besonders letztere Frage wurde in den letzten Jahren eminent politisch, als in der ganzen westlichen Welt öffentliche Gedenkobjekte angegriffen wurden, die von Gruppen der Gesellschaft als erheblich störend wahrgenommen werden. Robert Musil behauptete, dass nichts so unsichtbar sei wie ein Denkmal. Das ist heute zweifelhafter denn je.

Der Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkt soll dieser Frage in transdisziplinärer Ausrichtung und Kooperation auf Basis kulturanthropologischer, geschichts- und sozialwissenschaftlicher Methoden nachgehen. Es liegt auf der Hand, dass diese Arbeit weit über Österreichs Grenzen hinaus von exemplarischen Interesse werden könnte.

 

Personal

 

Leitung: Univ.-Prof. Dr. Marko Demantowsky (per 1.10.2021)

Universitätsassistent:in (PostDoc): N.N.

Universitätsassistent:in (PraeDoc): N.N.

Studentische Mitarbeit: N.N.

Sekretariat: J. Fally

Twitter

 

  Text © Marko Demantowsky, 6. Juli 2021

 

 

Bildnachweis:

Wolfgang Glock, Heldenberg Kaiserallee, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons